Kenias Plagen

Kenia wurde und wird immer wieder von Plagen biblischen Ausmasses heimgesucht. Eine dieser Plagen ist nach wie vor das HIV-Virus, von dem in gewissen Städten  und Regionen bis zu einem Viertel der Bevölkerung befallen ist. Angesichts dieses Elends hat ja Rolf Hotz im Jahr 2006 die Stiftung Siaya Kenya Children Foundation (SKCF) gegründet. Sein Ziel war es, mit einem überschaubaren Projekt, basierend auf persönlichen Kontakten, ein paar Dutzend der vielen AIDS-Waisen in der westafrikanischen Stadt Siaya die kostenpflichtige Sekundarschulbildung zu ermöglichen. Dieses Projekt hat sich sehr gut entwickelt und darf heute als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden.

Leider ist das HIV-Virus bei weitem nicht die einzige Plage in Kenia. So herrschte letztes Jahr in weiten Teilen Kenias, so auch im Distrikt von Siaya grosse Dürre. Diese wurde dieses Jahr durch teils heftige Regenfälle beendet, was wiederum zu beträchtlichen Ernteausfällen führte. Die Folge dieser Regenfälle: Die feuchten Böden sind zwar ein Segen für die Vegetation, ziehen aber auch riesige Heuschreckenschwärme an, die ganze Felder, aber auch Weideland in Minutenschnelle kahlfressen. Ein einziger Schwarm verschlingt tagtäglich soviel Nahrung, wie es braucht, um 35 000 Menschen zu ernähren. Die Vereinten Nationen befürchten, dass durch die gegenwärtige Heuschreckenplage in Ostafrika bis im Juni 25 Millionen Menschen von Hunger bedroht sein könnten.

Und jetzt hat sich zu allem Elend auch noch das Corona-Virus daran gemacht, Afrika zu überrollen. Noch ist die Zahl der positiv Getesteten gering – in Kenia waren es bis am 1. April 81 Infizierte. Aber angesichts der schwachen Gesundheitssysteme ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Besonders beängstigend ist die Corona-Gefahr in Afrika auch deshalb, weil dort viele Menschen gefährliche Vorerkrankungen wie AIDS, Tuberkulose und Malaria aufweisen. Zwar haben inzwischen zahlreiche afrikanische Staaten ähnliche Massnahmen ergriffen wie wir hier in Europa. So darf in Kenia nicht mehr aus Coronavirus-Staaten eingereist werden, und die Schulen wurden geschlossen. Zwischen 19 und 5 Uhr gilt eine Ausgangssperre, die von der Polizei mit aller Härte wie Schlagstöcken, Tränengas und hohen Bussen durchgesetzt wird. Das führt dazu, dass die Bevölkerung mehr Angst vor der Polizei als vor dem Coronavirus hat.
Märkte, kleine Shops und Restaurants wurden geschlossen und viele Angestellte nach Hause geschickt. Soziale Abfederungen gibt es keine, so dass immer mehr Menschen  nicht wissen, woher sie jetzt das Geld für die nächste Mahlzeit nehmen sollen.
Für akut Erkrankte hat das Land als Sofortmassnahme 120 Betten bereitgestellt. Ob das für das 47-Millionenvolk, von dem viele auf engstem Raum zusammenleben, reichen wird? Wir müssen es leider bezweifeln.
Toni Blaser