Nothilfe statt Schulunterstützung

Artikel von Toni Blaser für die Limmattaler Zeitung:
In normalen Jahren unterstützt die Urdorfer Kinderhilfsstiftung “Siaya Kenya Children Foundation” (SKCF) in der kenianischen Stadt Siaya Kinder aus allerärmsten Verhältnissen, damit sie die kostenpflichtige Sekundarschule besuchen können. Aber auch Kenia ist von der Corona-Pandemie nicht verschont geblieben. Im Zuge eines landesweiten Shutdowns liess die Regierung im April auch sämtliche Schulen schliessen. Nach einer sachten Öffnung für einzelne Klassen im Herbst scheinen nun alle Schulen Anfang Januar ihren Betrieb wieder aufnehmen zu dürfen. Die über 20 Millionen Schülerinnen und Schüler des Landes haben damit fast ein ganzes Bildungsjahr verloren.
Der Shutdown hat dazu geführt, dass viele vorab informelle Jobs verloren gegangen sind, was vor allem die Ärmsten in grosse Not stürzte. Kommt hinzu, dass deren Kinder, die sonst ihre Tagesmahlzeit in der Schule einnehmen, nun zu Hause verpflegt werden müssen. Um dem sich anbahnenden Leid in den Familien seiner Schützlinge zuvorzukommen, hat deshalb der SKCF-Vorstand schon im Frühling beschlossen, Nothilfe zu leisten. Seither wurden von den Spenden, die sonst eigentlich für den Schulbesuch von 65 Kindern verwendet worden wären, insgesamt Fr. 32 000.- in drei Tranchen an die Gewährsleute in Siaya überwiesen. Diese haben das Geld teilweise in kleinen Raten an die Familien der unterstützten Schützlinge weitergegeben, teilweise damit aber auch Esspakete bereitgestellt.
Die Corona-Pandemie bescherte den Projekten der Urdorfer Stiftung in Siaya aber nicht nur Schattenseiten. Dank der langen Schulschliessung konnte William Ating’a, der Schulleiter des von der Gemeinde Urdorf gestifteten Udida-Kindergartens, seinen Betrieb zu einer Primarschule erweitern. Dazu musste das Raumangebot um ein Schulzimmer erweitert werden, was innert weniger Wochen durch einen Annexbau an das bestehende Kindergartengebäude bewerkstelligt wurde. Finanziert wurde der neue Schulraum sowie dessen Möblierung mit der äusserst erfolgreichen Sammlung eines Urdorfer Geburtstagsjubilars. Wie haushälterisch William Ating’a mit den Spendengeldern umging, verdeutlicht dieses Beispiel: Der Schulleiter kaufte Baumstämme, aus denen mit viel handwerklichem Geschick Schulbänke und Tische gezimmert wurden. Das sei in Kenia viel günstiger als der Kauf fertiger Möbel.

Wie die Familien der Udida Kinder Soforthilfe erhalten

Wie Sie vielleicht schon ein paarmal gelesen haben, haben wir unsere Schützlinge und deren Familien in diesen schwierigen Corona-Zeiten mit einer Soforthilfe unterstützt. Die Massnahmen der Regierung hat es vielen, die von Tag zu Tag leben, verunmöglicht selbst für die Versorgung der Familie aufzukommen. Den Kindern fehlt die Mahlzeit, die sie normalerweise in der Schule bekommen. Diese bleiben noch bis September geschlossen.
Unsere momentan unterstützten und ehemaligen Schüler erhielten das Geld mit Mobile Money, ihrem Twint-ähnlichen Bezahlsystem namens M-Pesa. Die Familien aber, deren Kinder den von der Gemeinde Urdorf gestifteten Kindergarten in Udida besuchen, profitierten von einer anderen Aktion. Der Kindergarten liegt in der Nähe des Gehöfts der Gründerfamilie von SKCF. Das Heim unseres Vorstandsmitglieds William Atinga, dessen verstorbener Bruder Charles mit Rolf Hotz zusammen die Stiftung aufbaute. William, der normalerweise in Nairobi als Armenpfarrer lebt, ist wegen des Lockdowns auch hier. Und seine Frau Conslata ist eine der Kindergärtnerinnen. 
Nun hat William mit unserem Geld im Grosshandel Reis, Mehl, Zucker und Öl zum Kochen erstanden. Dann haben sie alles in kleinere Säcke und Flaschen abgefüllt und Essenspakete für jede der 40 Familien zusammengestellt. Auch Seife gehört dazu. Da diese Familien alle auf dem Land leben, können sie Gemüse und Mais selbst anbauen. Durch Williams Initiative, konnte einiges günstiger eingekauft werden, als wenn jede Familie einzeln einkaufen würde und die Familien erhielten somit mehr.
Letztes Wochenende wurde diese Aktion zum zweiten Mal durchgeführt. Und die Mütter oder Erziehungsberechtigten konnten ihr Food-Package abholen. Da nun die Massnahmen, inklusive nächtlicher Ausgangssperre letzten Samstag verlängert wurden, wird es nötig sein, nochmals einen Betrag zur Unterstützung zu schicken. Bitte helft uns dabei, wenigsten diesen zirka 150 Familien, die wir erreichen können den Hunger zu ersparen und spendet etwas mit dem Vermerk «Soforthilfe». Es ist ein kleiner Beitrag, da auf der ganzen Welt, die Ärmsten von Corona am meisten betroffen sind. Aber hier haben wir die Möglichkeiten dazu und das Vertrauen, dass die Hilfe auch wirklich ankommt.

William hat uns gestern informiert und berichtet wie es den Familien geht, lesen sie die Übersetzung seiner berührenden Worte:
Was die Verteilung des Lebensmittelpakets betrifft, so haben wir gestern die Arbeit für die Udida-Familien abgeschlossen, mit Ausnahme einer Mutter, die es heute, wenn möglich, abholen wird. Sie konnte gestern nicht kommen, weil ihr Mann sehr krank ist und für 3 Wochen in ein Krankenhaus in Kisumu eingeliefert wurde.
1. Die Eltern und Erziehungsberechtigten waren mehr als glücklich, da sie nicht damit rechneten, dass sie noch einmal berücksichtigt werden könnten. Sie konnten ihre Freude nicht verbergen.
2. Die Erziehungsberechtigten erklärten uns, dass das erste Lebensmittelpaket eintraf, als sie in ihrem Heim überhaupt nichts zu essen hatten. Dies ist ein Bekenntnis von drei Erziehungsberechtigten, und für das zweite Lebensmittelpaket gestanden fünf Erziehungsberechtigte, dass sie in ihren Familien nichts zu essen hatten. Das erklärt die Wertschätzung, die sie für Euch haben, und den Wert der Hilfe, die sie erhalten haben.
3. Es wurde berichtet, dass einige der Kinder aus fünf Familien krank waren. Zwei von ihnen hatten Malaria, von der die ganze Familie mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern betroffen war. Eines hatte eine Wunde am Bein, während wir bei den anderen beiden den Zustand der Krankheit noch nicht kennen, wir werden sie bald besuchen.
Zwei der Frauen kamen gestern, waren aber gebrechlich, ich musste ein Motorrad mieten, um sie mit dem Lebensmittelpaket zu ihren jeweiligen Häusern zu bringen, sonst hätten sie es nicht nach Hause geschafft.
4. Der Bericht, den wir immer wieder bekommen, lautet, dass die Kinder von Udida so gerne zur Schule kommen, dass sie ihre Eltern und Erziehungsberechtigten immer wieder bedrängen. Das liegt auch an dem Ernährungsprogramm. Sie sind sicher, dass sie in der Schule eine Mahlzeit bekommen.
Ansonsten lieben sie Sie so sehr dafür, dass Sie sich für ihre Notlage einsetzen, und betrachten Sie als einen ihrer größten Botschafter. Bitte lassen Sie den Vorstand wissen, dass das, was sie getan haben, eine der größten Auswirkungen auf die Kinder hatte. Vielen Dank und möge Gott Sie alle reichlich segnen.
Mit freundlichen Grüßen, William.
*** Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) ***

Artikel, gekürzt erschienen in der Limmattalerzeitung vom 6.6.20 mit dem Titel Coronapandemie in Kenia: “Siaya Kenya Children Foundation” hilft

2006 hat der Urdorfer Geschäftsmann Rolf Hotz zusammen mit Freunden aus der kenianischen Stadt Siaya die Kinderhilfsstiftung “Siaya Kenya Children Foundation” (SKCF) gegründet. Antrieb dazu war der kaum auszuhaltende Anblick von  unermesslichem, vor allem durch AIDS verursachtem Leid, einhergehend mit grösster Armut. Die Kinder solcher Familien waren jeder Chance, die kostenpflichtige Sekundarschule zu besuchen, und damit jeder Zukunftsperspektive beraubt. Dies wollte die Stiftung wenigstens für ein paar Dutzend Knaben und Mädchen ändern. Das Projekt sollte klein und damit übersichtlich und gut kontrollierbar bleiben. Ein sechsköpfiger Vorstand in Siaya unter der Leitung von Erick Odiang’a, einem Schulleiter, wählt die Schützlinge aus (gegenwärtig sind es 66, aufgeteilt auf 28 Schulen) und betreut sie, während ein fünfköpfiger Vorstand mit Sitz in Urdorf ZH Spendengelder sammelt und damit das Schulgeld für die Schützlinge zahlt sowie strategische Entscheidungen fällt.
Nun hat aber die Coronapandemie bzw. deren Auswirkungen vor allem auch die Allerärmsten im ostafrikanischen Staat schwer getroffen. Weil die Schulen geschlossen wurden, gibt es dort für die Kinder auch nichts mehr zu essen – die Schulmahlzeit war oft die einzige des Tages. Ihre Familien oder Erziehungsberechtigten leiden höchste Not, weil wegen des weitgehenden Shutdowns viele ihre meist informelle Arbeit ohne soziale Abfederung verloren haben. Darum entschloss sich der Vorstand von SKCF Schweiz zu raschem Handeln: Er überwies am 8. April 10’500 Fr. für die Familien der gegenwärtigen und ehemaligen Schützlinge sowie auch für notleidende Familien von Kindern, die den von der Gemeinde Urdorf gestifteten Udida-Kindergarten besuchen. Dafür hat sich Erick Odiang’a als Vorsitzender von SKCF Siaya in einem Brief in aller Form bedankt und zugleich auf eindrückliche Art die gegenwärtige Lage in Bezug auf das Kinderhilfsprojekt wie auch auf sein ganzes Land beschrieben.
Hier ein Auszug aus dem Brief des Schulleiters aus Siaya:
“Das Coronavirus hat die wirtschaftliche Situation in Kenia massiv beeinflusst. Der erste Fall wurde Anfang März 2020 gemeldet. Die Regierung unter Präsident Hon Uhuru Kenyatta hat schnell Massnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
Alle Schulen, Hochschulen und Universitäten wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen, Gottesdienste und öffentliche Versammlungen ausgesetzt.  Dies hatte grosse Auswirkungen auf unsere Schützlinge, die sich in diesen Einrichtungen befanden. Sie mussten nach Hause zurückkehren und bei ihren Erziehungsberechtigten oder Eltern bleiben. Dies belastet die ohnehin schon in Schwierigkeiten befindlichen Familien zusätzlich. Die meisten der von unserer Stiftung unterstützten Schülerinnen und Schüler sind auf Nahrungsmittel angewiesen, die von den Schulen bereitgestellt werden.
Unsere Schulen wurden am 4.Mai, dem Tag, an dem offiziell das zweite Trimester hätte beginnen sollen, für einen weiteren Monat geschlossen. Das bedeutet, dass das Leben für die meisten unserer Begünstigten nach wie vor sehr hart bleibt.
Dank einer weisen Entscheidung des Vorstands von SKCF Schweiz haben wir das Privileg, dass unser Gebet um Unterstützung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie erhört wurde. Ihre Nothilfe kam zur rechten Zeit und war sehr angemessen. Eltern und Erziehungsberechtigte haben dies aufrichtig geschätzt. Die finanzielle Unterstützung ermöglicht es ihnen, Nahrungsmittel und anderen Grundbedarf zu kaufen.
Die meisten Bezugspersonen der gegenwärtigen und ehemaligen Schützlinge stehen derzeit vor ernsten wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Ausgangssperre, die für alle Kenianer täglich von 19.00 Uhr bis 5.00 Uhr verhängt wurde, und die Kontrolle von Menschenansammlungen und Fahrzeugbewegungen hat die meisten Menschen arbeitslos gemacht. Gelegenheitsjobs sind schwer zu bekommen, da die meisten Institutionen und Organisationen geschlossen haben. Den meisten Arbeitnehmern wurde für mindestens drei Monate unbezahlter Urlaub mit Verlängerungsmöglichkeit gewährt. Unsere Wirtschaft kommt fast zum Erliegen. Unsere Schlüsselstädte Nairobi, Mombasa, Kilifi, Kwale und Mandera sind von der Aussenwelt isoliert worden. Dort müssen die Menschen von zu Hause aus arbeiten, aber das ist für über 70% der Kenianer, die im informellen Sektor arbeiten, nicht möglich. Es gibt grosse Einkommens- und sogar Arbeitsplatzverluste. Davon sind auch unsere Studenten, die alle aus sehr bescheidenen Verhältnissen kommen, stark betroffen.
Von der Nothilfe von SKCF Schweiz haben wir allen Familien unserer gegenwärtigen Schützlinge 10’000 kenianische Schillinge (ca. 91 Franken) zugeteilt. Diese werden in zwei Raten ausgezahlt, damit unsere Begünstigten nicht leiden müssen. Die erste Rate wurde sofort nach Erhalt des Geldes ausgezahlt. Mit unserem Verständnis für unsere Leute und unserem Wissen darüber, dass das Leben sehr schwierig ist, waren wir der Meinung, dass der Betrag in zwei Teile aufgeteilt werden sollte, damit er den Begünstigten über einen längeren Zeitraum hilft. Das Geld wird also mit Bedacht verwendet.
Die zweite Rate wird den Erziehungsberechtigten im Juni übergeben, wenn die Regierung die Termine für die partielle Wiedereröffnung der Schulen bekannt gegeben hat. Dies würde ihnen helfen, einige Grundbedürfnisse zu decken und ihre Ernährung vor der Wiederaufnahme der Schule sicherzustellen.
Momentan sind in Kenia insgesamt 1192 Personen positiv getestet worden. Davon sind 380 inzwischen wieder gesund und 50 gestorben. 
Die Gesundheitsbehörde unseres Bezirks Siaya ist auf die Pandemie schlecht vorbereitet. Wir haben 10 offiziell registrierte Covid19-Fälle. Sie werden vor Ort behandelt, mit den entsprechenden Herausforderungen.
Es ist mir eine Freude, dem SKCF-Vorstand aufrichtig für die grosszügige Nothilfe zu danken. Die Dankesworte der Schützlinge und ihrer Angehörigen oder Erziehungsberechtigten waren sehr rührend.
Beste Wünsche, Erick Odiang’a, Schulleiter und Vorsitzender SKCF Kenia”
Näheres zum Kinderhilfsprojekt und Spendenmöglichkeit siehe
www. siayakenyachildrenfoundation.org

Spass beim Mittagessen in einer Sekundarschule (2017)

Drohende Hungersnot: Wir leisten Soforthilfe

Wie unter Kenias Plagen aufgezeigt, ist die Lage in Kenia sehr schwierig geworden. Die Leute hungern und wissen nicht mehr wo sie die nächste Mahlzeit herbekommen oder die Miete bezahlen sollen. Die Anti Corona-Massnahmen der Regierung machte das an sich schon schwierige Leben der Armen beinahe unmöglich. Da konnten und wollten wir nicht länger zusehen und haben sofort reagiert. Per Video Konferenz haben wir am 8. April ein Soforthilfe Paket geschnürt und sofort 10’000 Franken nach Kenia geschickt. Unser Vorstand vor Ort hat sich bereits organisiert, damit sie die Verteilung an unsere Schützlinge vornehmen können. Jede Familie unserer Schüler erhält Fr. 100 und sollte damit je nach Grösse der Familie Essen für etwa einen Monat kaufen können. Der Mobile Money Dienst m-pesa den es in Kenia schon viel länger als unser Twint gibt, macht dies möglich.
Wir haben aber auch unsere ehemaligen Unterstützten, die noch in der Ausbildung stecken nicht vergessen und werden auch ihnen helfen. Auch die Familien der Kinder in unserem «Urdorfer» Udida Kindergarten werden dank Spenden, die für Udida eingegangen sind, von unserer Soforthilfe profitieren.
Dank unseren grosszügigen Gönnern verfügen wir über ein Polster, dass uns diese Hilfe erlaubt. Wir glauben, es ist auch in ihrem Sinne, jetzt in dieser Krise «unseren Kindern» beizustehen. Und wir hoffen, dass uns unsere Gönner weiterhin unterstützen und uns vielleicht einen Extrabatzen zugunsten der Soforthilfe spenden.

Verein zur Unterstützung der Siaya Kenya Children Foundation
8902 Urdorf, Schweiz

IBAN: CH16 0900 0000 6102 5925 6
Vermerk: Soforthilfe

Kenias Plagen

Kenia wurde und wird immer wieder von Plagen biblischen Ausmasses heimgesucht. Eine dieser Plagen ist nach wie vor das HIV-Virus, von dem in gewissen Städten  und Regionen bis zu einem Viertel der Bevölkerung befallen ist. Angesichts dieses Elends hat ja Rolf Hotz im Jahr 2006 die Stiftung Siaya Kenya Children Foundation (SKCF) gegründet. Sein Ziel war es, mit einem überschaubaren Projekt, basierend auf persönlichen Kontakten, ein paar Dutzend der vielen AIDS-Waisen in der westafrikanischen Stadt Siaya die kostenpflichtige Sekundarschulbildung zu ermöglichen. Dieses Projekt hat sich sehr gut entwickelt und darf heute als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden.

Leider ist das HIV-Virus bei weitem nicht die einzige Plage in Kenia. So herrschte letztes Jahr in weiten Teilen Kenias, so auch im Distrikt von Siaya grosse Dürre. Diese wurde dieses Jahr durch teils heftige Regenfälle beendet, was wiederum zu beträchtlichen Ernteausfällen führte. Die Folge dieser Regenfälle: Die feuchten Böden sind zwar ein Segen für die Vegetation, ziehen aber auch riesige Heuschreckenschwärme an, die ganze Felder, aber auch Weideland in Minutenschnelle kahlfressen. Ein einziger Schwarm verschlingt tagtäglich soviel Nahrung, wie es braucht, um 35 000 Menschen zu ernähren. Die Vereinten Nationen befürchten, dass durch die gegenwärtige Heuschreckenplage in Ostafrika bis im Juni 25 Millionen Menschen von Hunger bedroht sein könnten.

Und jetzt hat sich zu allem Elend auch noch das Corona-Virus daran gemacht, Afrika zu überrollen. Noch ist die Zahl der positiv Getesteten gering – in Kenia waren es bis am 1. April 81 Infizierte. Aber angesichts der schwachen Gesundheitssysteme ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Besonders beängstigend ist die Corona-Gefahr in Afrika auch deshalb, weil dort viele Menschen gefährliche Vorerkrankungen wie AIDS, Tuberkulose und Malaria aufweisen. Zwar haben inzwischen zahlreiche afrikanische Staaten ähnliche Massnahmen ergriffen wie wir hier in Europa. So darf in Kenia nicht mehr aus Coronavirus-Staaten eingereist werden, und die Schulen wurden geschlossen. Zwischen 19 und 5 Uhr gilt eine Ausgangssperre, die von der Polizei mit aller Härte wie Schlagstöcken, Tränengas und hohen Bussen durchgesetzt wird. Das führt dazu, dass die Bevölkerung mehr Angst vor der Polizei als vor dem Coronavirus hat.
Märkte, kleine Shops und Restaurants wurden geschlossen und viele Angestellte nach Hause geschickt. Soziale Abfederungen gibt es keine, so dass immer mehr Menschen  nicht wissen, woher sie jetzt das Geld für die nächste Mahlzeit nehmen sollen.
Für akut Erkrankte hat das Land als Sofortmassnahme 120 Betten bereitgestellt. Ob das für das 47-Millionenvolk, von dem viele auf engstem Raum zusammenleben, reichen wird? Wir müssen es leider bezweifeln.
Toni Blaser